Erwachsene Person steht von hinten am Putzplatz neben einem ruhigen braunen Pferd, weiches Tageslicht im offenen Stall

Warum Bewegung am Pferd bei Depression helfen kann

Wer eine Depression kennt, weiß: das Schwierigste ist oft nicht die große Krise, sondern der Morgen. Aufstehen, sich anziehen, vor die Tür gehen. Genau hier setzt etwas an, das wir in der Reittherapie immer wieder beobachten. Das Pferd wartet nicht darauf, dass jemand reden möchte. Es will geputzt, gefüttert, gefragt werden. Das klingt banal, ist es aber nicht. Für viele Betroffene ist es der erste Termin in der Woche, zu dem sie tatsächlich gehen, weil dort jemand auf sie wartet, der keine Worte verlangt.

Auf einen Blick
  • Reittherapie kann bei leichter bis mittelgradiger Depression eine ergänzende Unterstützung sein.
  • Sie bietet Tagesstruktur, Körperwahrnehmung und ressourcenorientierte Erfahrungen.
  • Sie ersetzt keine Psychotherapie und keine ärztliche Behandlung.
  • Bei akuter Suizidalität: sofort 112 oder Telefonseelsorge 0800 / 111 0 111.
Notfall: bitte sofort Hilfe holen

Wenn Sie selbst oder ein Angehöriger Gedanken haben, sich etwas anzutun, wenn die Belastung sich anfühlt, als ginge es nicht mehr weiter, dann ist Reittherapie nicht der richtige Weg. Holen Sie sich bitte sofort Hilfe:

  • Notruf 112 bei akuter Gefahr
  • Telefonseelsorge: 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222 (kostenfrei, rund um die Uhr)
  • Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111

Als Reittherapeutin arbeite ich seit vielen Jahren mit Menschen, die eine depressive Erkrankung haben, sowohl mit Jugendlichen als auch mit Erwachsenen. Auch privat sind mir die Themen nicht völlig fremd, das gehört für mich ehrlicherweise dazu, wenn ich darüber schreibe. Ich möchte Ihnen trotzdem keinen Werbetext schreiben. Reittherapie ist keine Behandlung der Depression. Sie ist eine mögliche Ergänzung, abhängig vom Menschen, von der Schwere der Erkrankung, von Therapeutin und Pferd. Dieser Artikel soll Ihnen helfen einzuschätzen, ob das für Sie oder Ihr Kind ein Weg sein könnte.

Was Depression eigentlich ist (kurz und verständlich)

Depression ist keine schlechte Phase und keine Schwäche, sondern eine ernste Erkrankung. Die typischen Hauptsymptome sind über mindestens zwei Wochen anhaltend: gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Freudlosigkeit, deutlich verminderter Antrieb. Dazu kommen häufig Schlafstörungen, Appetitveränderungen, Konzentrations- und Entscheidungsprobleme, Gefühle von Wertlosigkeit oder übermäßiger Schuld, körperliche Beschwerden ohne klaren Befund, in schweren Verläufen auch Gedanken an den Tod oder an Selbstverletzung.

Bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen sieht das oft anders aus als bei Erwachsenen. Statt traurig wirken viele gereizt, aggressiv oder ziehen sich zurück. Sie verlieren Interesse an Hobbys, die Schulleistungen brechen ein, manchmal kommen Bauch- oder Kopfschmerzen dazu. Eltern erleben das Kind als wie ausgewechselt, ohne dass es einen klaren Auslöser gibt. Bei Jugendlichen kommt häufig Selbstwertproblematik dazu, manchmal Ritzen oder andere selbstverletzende Verhaltensweisen.

Diagnostik

Die Diagnose stellt eine Hausärztin, eine Psychiaterin, eine ärztliche oder psychologische Psychotherapeutin, bei Kindern entsprechend ein Kinder- und Jugendpsychiater. Dazu gehören Gespräche, standardisierte Fragebogen, oft eine körperliche Untersuchung, um andere Ursachen wie Schilddrüsenstörungen oder Eisenmangel auszuschließen.

Häufige Begleitthemen

Was häufig dazukommt: Angststörungen, Schlafstörungen, in einem Teil der Verläufe auch Suchterkrankungen oder Essstörungen. Bei Jugendlichen wird Depression leider oft erst spät erkannt, weil sie als pubertäre Phase abgetan wird. Das ist gefährlich. Wenn ein junger Mensch über Wochen verändert wirkt, gehört das fachärztlich abgeklärt.

Was Reittherapie bei Depression leisten kann

Ich formuliere bewusst vorsichtig, weil ich keine Heilversprechen mache und weil ich aus Erfahrung weiß, dass Menschen mit Depression sehr unterschiedlich reagieren. Was ich beschreibe, sind Effekte, die ich häufig beobachte und die auch in Studien zur tiergestützten Therapie diskutiert werden. Garantien gibt es nicht.

Tagesstruktur und niederschwelliger Zugang

Viele Menschen mit Depression können kaum noch das Haus verlassen. Eine Reittherapiestunde ist ein fester Termin, einmal pro Woche, an einem Ort, der nicht nach Praxis riecht und nicht nach Krankenhaus aussieht. Erfahrungsgemäß fällt es vielen leichter, in den Stall zu gehen als in ein Wartezimmer. Das Pferd wartet, das verpflichtet auf eine angenehme Art. Studien deuten darauf hin, dass solche tiergestützten Settings depressive Symptome ergänzend zu Standardbehandlung positiv beeinflussen können.

Körperwahrnehmung und Bewegung

Depression macht den Körper schwer und stumpf. Viele Betroffene beschreiben, sie spüren sich nicht mehr richtig. Das Pferd schiebt mit jedem Schritt etwa 100 bis 120 rhythmische Bewegungsimpulse durch das Becken des Reitenden. Diese gleichmäßige, leichte Bewegung holt den Körper zurück ins Spüren, ohne dass man dafür aktiv etwas leisten muss. Mehrere Untersuchungen weisen darauf hin, dass regelmäßige, moderate körperliche Aktivität bei leichter bis mittelgradiger Depression antidepressive Effekte zeigt.

Sanftes Auge eines ruhigen braunen Pferdes im weichen Stalllicht

Ressourcenorientierte Erfahrung

Depression engt den Blick ein, das eigene Selbstbild wird immer enger und negativer. Im Stall passieren Dinge, die nicht ins depressive Selbstbild passen. Ein Pferd lässt sich führen, lässt sich anfassen, sucht Kontakt. Es bewertet nicht, ob jemand heute Morgen geweint hat oder seit Wochen kaum schläft. Diese wertfreie Annahme ist eine Erfahrung, die viele Betroffene über lange Zeit nicht hatten.

Beziehung ohne Worte

Wer depressiv ist, ist oft erschöpft vom Reden. In Psychotherapie und Beratung wird viel gesprochen, das ist richtig und wichtig, aber für manche Menschen ist es zunächst zu viel. Mit dem Pferd kommuniziert man körperlich, leise, in Ruhe. Pferde reagieren auf Stimmungen direkt und ehrlich. Wenn jemand innerlich verspannt ist, wird das Pferd unruhig. Wenn der Mensch ruhiger wird, beruhigt sich das Pferd. Diese unmittelbare Rückmeldung kommt ohne Bewertung aus.

Selbstwirksamkeit

Depression nimmt das Gefühl, im eigenen Leben etwas bewegen zu können. Im Stall erleben Betroffene, dass ihr Handeln Wirkung hat. Das Pferd hört auf sie, ein 500-Kilo-Tier folgt einer leisen Geste. Das ist eine andere Erfahrung als ein Lob in der Therapie, weil sie unmittelbar im eigenen Körper passiert.

Reittherapie ist keine Behandlung der Depression. Sie ist eine mögliche Ergänzung, ein Ort, an dem ein Mensch sich wieder spüren darf, ohne reden zu müssen.

Was ich nicht sage

Reittherapie heilt Depression. Die Erkrankung braucht in vielen Fällen Psychotherapie, manchmal Medikation, manchmal eine stationäre Behandlung. Reittherapie kann eine wertvolle Ergänzung sein, sie ist kein Ersatz.

Wie eine Stunde bei uns abläuft

Eine Reittherapiestunde dauert in meiner Praxis 45 bis 60 Minuten. Bei Menschen mit Depression beginne ich besonders ruhig. Ich erwarte nicht, dass jemand erzählt, wie es gerade geht. Wir gehen zum Pferd, das ist der Anfang. Bei vielen merke ich, dass schon der Weg vom Auto zum Stall etwas verändert.

Ankommen und Putzen

Wir holen das Pferd gemeinsam von der Koppel oder aus der Box. Schon das Anhalftern, das Führen, das ruhige Gehen neben dem Tier ist Teil der Therapie. Beim Putzen schauen wir, wie der Mensch in Kontakt geht. Manche brauchen mehrere Stunden, bevor sie das Pferd wirklich anfassen können, andere finden sofort einen ruhigen Rhythmus mit der Bürste. Beides ist in Ordnung.

Erwachsene Person sitzt ruhig auf einer Bank vor dem Stall, das Pferd schaut aus der Box dazu

Bodenarbeit und Reiten

Bei Erwachsenen mit Depression arbeite ich häufig viel am Boden. Führen, Bodenarbeit, Atemübungen neben dem Pferd. Das klingt unspektakulär, ist aber für viele eine ungewohnt körperliche Erfahrung. Wer mag, reitet später. Bei jüngeren Betroffenen arbeite ich oft an der Longe, das heißt, ich führe das Pferd, der Mensch sitzt oben und kann sich auf die Bewegung einlassen, ohne lenken zu müssen.

Körperwahrnehmungs-Übungen

Wir machen Übungen, die zur Verfassung passen: die Augen schließen und die Schrittbewegung spüren, sich rücklings im Sattel ausstrecken, mit den Händen die Mähne, den warmen Hals fühlen. Diese Übungen schulen die Körperwahrnehmung und holen den Menschen sanft zurück in den eigenen Körper.

Abschluss

Am Ende führen wir das Pferd zurück, bedanken uns, räumen das Putzzeug weg. Dieses geordnete Beenden ist für viele Betroffene wichtig. Es markiert: hier war ich, hier habe ich etwas getan.

Rhythmus

Ich sehe meine Klientinnen und Klienten in der Regel einmal pro Woche. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass sich Effekte meist nach drei bis sechs Monaten zeigen. Vorher kann man sagen, ob das Setting passt, aber nicht, ob es nachhaltig wirkt.

Was Reittherapie nicht ersetzt

Das ist mir an dieser Stelle besonders wichtig. Depression ist eine ernste Erkrankung, und ich erlebe immer wieder, dass Menschen aus Verzweiflung hoffen, das Pferd löse alles. Das tut es nicht.

Reittherapie ersetzt NICHT
  • Psychotherapie. Eine kassenfinanzierte Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische oder analytische Psychotherapie ist bei Depression in den allermeisten Fällen der wichtigste Behandlungsbaustein. Reittherapie kann gut daneben laufen, sie kann sie nicht ersetzen.
  • Medikation. Wenn eine Hausärztin, Psychiaterin oder Kinder- und Jugendpsychiaterin ein Antidepressivum empfiehlt, ist das eine Entscheidung, die in das Gespräch zwischen Patient, Angehörigen und Ärztin gehört. Reittherapie ist kein Argument gegen Medikation. Manche Menschen können von Reittherapie erst wirklich profitieren, wenn sie medikamentös stabiler sind, weil sie die Stunde sonst nicht aufnehmen können.
  • Stationäre Behandlung. Bei schwerer Depression, bei akuter Suizidalität, bei psychotischen Symptomen ist eine Klinik der richtige Ort. Reittherapie ist kein Ersatz und nicht der erste Schritt in einer akuten Krise.

Notfallhilfe

Das ist der wichtigste Absatz dieses Artikels. Wenn Sie selbst oder ein Angehöriger Gedanken haben, sich etwas anzutun, wenn die Belastung sich anfühlt, als ginge es nicht mehr weiter, dann holen Sie sich bitte sofort Hilfe. Wählen Sie 112. Rufen Sie die Telefonseelsorge unter 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222 an, beide Nummern sind kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar. Für Kinder und Jugendliche gibt es die Nummer gegen Kummer unter 116 111. Reittherapie ist in einer akuten Krise nicht der richtige Weg.

Reittherapie ist ein zusätzlicher Raum, kein Ersatzraum.

Welche Disziplin passt bei Depression

Hier wird es etwas fachlich, aber es ist wichtig, weil die Begriffe in Deutschland nicht eindeutig geschützt sind. Genaueres im Glossar.

Reittherapie im engeren Sinn

Reittherapie im engeren Sinn wird in der Regel von Therapeutinnen und Therapeuten mit psychotherapeutischer oder psychologischer Grundausbildung angeboten, die zusätzlich eine reittherapeutische Qualifikation mitbringen. Bei Depression ist das in den meisten Fällen die passende Form, gerade wenn die Erkrankung deutlich ausgeprägt ist oder begleitet wird von Ängsten, Traumafolgen oder Selbstwertproblemen. Die psychotherapeutische Grundausbildung ist wichtig, weil im Stall manchmal Dinge auftauchen, die fachlich aufgefangen werden müssen.

Heilpädagogisches Reiten

Heilpädagogisches Reiten (HpR), auch Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd, ist eine sinnvolle Option besonders bei Kindern und Jugendlichen mit depressiven Verstimmungen, sozialem Rückzug oder Selbstwertproblemen, sofern noch keine schwere depressive Episode vorliegt. Hier arbeiten Heilpädagogen, Sozialpädagogen oder Erzieher mit Zusatzausbildung. Der Schwerpunkt liegt auf pädagogischer Förderung mit Hilfe des Pferdes.

Hippotherapie

Hippotherapie ist eine physiotherapeutische Behandlung auf neurologischer Indikation. Sie wird bei Depression in der Regel nicht eingesetzt, weil Depression keine motorisch-neurologische Erkrankung ist. Wenn jemand Ihnen Hippotherapie bei Depression anbietet, fragen Sie genau nach, was gemeint ist.

Reitpädagogik

Reitpädagogik ist keine Therapieform. Sie kann angenehm sein und das Selbstwertgefühl stärken, aber sie ist keine Behandlung und wird nicht vom Sozialamt oder Jugendamt als Therapie anerkannt.

Praktischer Tipp

Mein praktischer Tipp: Achten Sie auf die Qualifikation. Bei Reittherapie im engeren Sinn ist eine Grundausbildung in Psychotherapie, Psychologie, Pädagogik oder Sozialarbeit plus eine reittherapeutische Zusatzqualifikation, etwa beim Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThR), ein guter Anhaltspunkt. Fragen Sie konkret nach Erfahrung mit depressiven Menschen, das macht einen Unterschied.

Wer zahlt das

Die kurze Antwort: die gesetzliche Krankenkasse leider nicht. Reittherapie ist keine Kassenleistung. Die längere Antwort steht in unserem Erstattungs-Guide, bitte lesen Sie den, bevor Sie Verträge unterschreiben.

Eingliederungshilfe

Bei Depression kommen je nach Situation folgende Wege in Frage. Bei Kindern und Jugendlichen mit gesicherter Diagnose und drohender oder bestehender seelischer Behinderung ist die Eingliederungshilfe nach SGB VIII Paragraph 35a über das Jugendamt ein möglicher Weg. Bei Erwachsenen mit seelischer Behinderung kann die Eingliederungshilfe nach SGB IX über den zuständigen Sozialhilfeträger in Frage kommen. Beides setzt voraus, dass eine fachärztliche oder psychotherapeutische Stellungnahme die Reittherapie als geeignete Maßnahme begründet.

Private Versicherung und Selbstzahler

Bei Erwachsenen mit privater Krankenversicherung lohnt eine konkrete Anfrage bei der Versicherung, je nach Tarif werden tiergestützte Verfahren gelegentlich anteilig erstattet. Selbstzahlend rechnen Sie mit etwa 50 bis 80 Euro pro Stunde, regional unterschiedlich.

Zeitplan

Bewilligungsverfahren bei Eingliederungshilfe dauern erfahrungsgemäß drei bis sechs Monate. Mehr Details, Musteranträge und Hinweise zum Widerspruch finden Sie im Erstattungs-Guide.

Hände eines Erwachsenen ruhen seitlich auf dem warmen Hals eines Pferdes, weiche Mähne, Tageslicht im Stallgang

Wie finde ich den richtigen Anbieter

In unserem Verzeichnis können Sie nach Indikation Depression und nach Disziplin filtern. Sie sehen, welche Anbieter Erfahrung mit depressiven Menschen haben, welche Qualifikation sie mitbringen, ob sie auch Erwachsene betreuen, ob sie Atteste für Jugendamt oder Sozialamt ausstellen und in welchem Umkreis sie arbeiten.

Schnuppertermin und Bauchgefühl

Was ich immer rate: Vereinbaren Sie ein kurzes Erstgespräch und einen Schnuppertermin, bevor Sie sich festlegen. Wichtig ist nicht die schönste Webseite, sondern wie Sie sich im Stall fühlen. Manche Menschen kommen mit großen Warmblutpferden gut zurecht, andere brauchen die Ruhe eines Haflingers oder Ponys. Manche Therapeutinnen arbeiten direktiv, andere sehr offen. Beides hat seinen Wert, es muss zu Ihnen passen.

Typische Fragen an die Therapeutin
  • Wie viele Klientinnen und Klienten mit Depression betreuen Sie aktuell?
  • Wie arbeiten Sie mit Erwachsenen, wie mit Jugendlichen?
  • Was tun Sie, wenn jemand eine schlechte Phase hat oder eine Stunde nicht durchhält?

Anbieter, die hier ehrlich und konkret antworten können, haben Erfahrung.

Anbieter mit Erfahrung Depression finden

Im Verzeichnis sehen Sie auf einen Blick, wer Erfahrung mit depressiven Menschen mitbringt, welche Qualifikation vorliegt und ob Atteste für Jugendamt oder Sozialamt ausgestellt werden.

Reittherapeut*innen mit Depression-Erfahrung finden

Häufige Fragen

Ab welchem Alter ist Reittherapie bei Depression sinnvoll? In meiner Praxis arbeite ich mit Jugendlichen ab etwa zwölf Jahren und mit Erwachsenen aller Altersstufen. Bei jüngeren Kindern mit depressiven Verstimmungen ist Heilpädagogisches Reiten meist die passendere Form. Eine Altersobergrenze gibt es nicht, ich begleite auch Menschen jenseits der sechzig.

Ersetzt Reittherapie meine Psychotherapie? Nein. Bei Depression ist eine ärztliche oder psychologische Psychotherapie in den allermeisten Fällen unverzichtbar. Reittherapie kann gut daneben laufen, gerade in Phasen, in denen das Reden schwerfällt, ist sie eine wertvolle Ergänzung. Sie ist aber kein Ersatz für eine richtlinienpsychotherapeutische Behandlung.

Was kostet eine Stunde? Reittherapie kostet je nach Region und Qualifikation zwischen 50 und 80 Euro pro Stunde. Details und Kostenträger im Erstattungs-Guide.

Was, wenn ich nicht reiten kann? Reiterfahrung ist keine Voraussetzung. Viele Stunden finden ohnehin am Boden statt: Putzen, Führen, Bodenarbeit, ruhiges Beisammensein mit dem Pferd. Wer nicht reiten will oder körperlich nicht reiten kann, profitiert genauso. Das ist gerade bei Depression häufig der Anfang.

Wie viele Stunden, bis ich einen Effekt merke? Manche Menschen sagen schon nach der ersten oder zweiten Stunde, dass sie ruhiger nach Hause gegangen sind. Stabile Effekte zeigen sich erfahrungsgemäß nach drei bis sechs Monaten regelmäßiger wöchentlicher Stunden. Weniger ist möglich, der Effekt ist dann geringer.

Was, wenn ich gerade eine akute Phase habe? Bei einer schweren akuten Depression oder bei Suizidgedanken ist Reittherapie nicht der richtige erste Schritt. Wenden Sie sich bitte sofort an Ihre Hausärztin, Ihre Psychiaterin, an einen psychiatrischen Notdienst, an 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 / 111 0 111. Sobald Sie stabiler sind, kann Reittherapie ein guter ergänzender Baustein werden.

Mein Kind nimmt ein Antidepressivum. Spricht das gegen Reittherapie? Nein, im Gegenteil. Viele Jugendliche können Reittherapie erst dann wirklich nutzen, wenn die Medikation den Antrieb stabilisiert hat. Sprechen Sie mit der behandelnden Kinder- und Jugendpsychiaterin, ob die Stunden in einer günstigen Wirkzeitspanne liegen sollten.

Was ich Ihnen mitgeben möchte

Depression macht einsam. Sie redet Betroffenen ein, dass sie zur Last fallen, dass es niemanden interessiert, wie es ihnen geht. Wenn Sie diesen Artikel zu Ende gelesen haben, weil Sie selbst betroffen sind oder weil Sie jemanden begleiten, möchte ich Ihnen vor allem eines sagen: Es ist gut, dass Sie sich informieren. Holen Sie sich Hilfe, fachlich, ärztlich, psychotherapeutisch. Reittherapie kann ein wichtiger zusätzlicher Ort sein, an dem ein Mensch sich wieder spüren darf, ohne Worte, ohne Bewertung. Sie ist kein Wundermittel, aber sie kann ein Stück Weg sein.

Was hilft, ist nicht eine einzelne Therapie. Was hilft, ist ein Netz aus mehreren Hilfen, ein Umfeld, das nicht aufgibt, und Zeit. Reittherapie kann ein Knoten in diesem Netz sein.


Weiterführend


Hinweis

Dieser Artikel ist eine fachliche Erfahrungsdarstellung und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Bei medizinischen oder akuten Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Hausärztin, Ihre Psychiaterin, Ihre Psychotherapeutin oder im Notfall an 112 bzw. die Telefonseelsorge unter 0800 / 111 0 111.

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