Erwachsener Patient sitzt aufgerichtet auf einem ruhigen Therapiepferd, begleitet von einer Physiotherapeutin am Pferdekopf

Was Hippotherapie bei MS leisten kann

Wenn die Diagnose Multiple Sklerose im Raum steht, verändert sich vieles. Die meisten Patientinnen und Patienten kennen den Weg: Neurologische Praxis, MRT, Liquorpunktion, Immuntherapie, Physiotherapie. Irgendwann taucht die Frage auf, ob neben der klassischen Physiotherapie nicht auch Bewegungstherapie auf dem Pferd sinnvoll wäre. Gemeint ist dann meist Hippotherapie, und darum geht es in diesem Artikel.

Auf einen Blick
  • Hippotherapie ist eine ärztlich verordnete physiotherapeutische Behandlung auf dem Pferd, keine Reitstunde.
  • Die Schrittbewegung des Pferdes überträgt 100 bis 120 rhythmische Impulse pro Minute auf das Becken des Patienten.
  • Studienbasiert sind Effekte auf Rumpfstabilität, Gleichgewicht und Gangbild beschrieben, ohne dass der Krankheitsverlauf der MS beeinflusst wird.
  • Die gesetzliche Krankenkasse erstattet seit dem BSG-Urteil 2003 nicht, manche private Versicherung im Einzelfall schon.

Ich bin Reittherapeutin, keine Hippotherapeutin. Das möchte ich gleich klarstellen, weil die beiden Disziplinen oft in einen Topf geworfen werden, obwohl sie sich fachlich klar unterscheiden. Hippotherapie ist nicht mein eigenes Fachgebiet, sie gehört in die Hände speziell weitergebildeter Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. Aber ich begleite Patientinnen, die zwischen den beiden Angeboten wählen müssen, ich kenne viele Hippotherapeuten persönlich, und in unseren Anbieterprofilen sehen Sie häufig Hippotherapeuten mit Spezialisierung MS. Was hier folgt, habe ich mit dieser Berufsgruppe abgeglichen, ohne fachliche Grenzen zu verwischen.

Was Hippotherapie eigentlich ist

Hippotherapie ist eine physiotherapeutische Behandlung. Das ist der entscheidende Punkt. Die Behandlung wird von einer Physiotherapeutin mit Zusatzqualifikation Hippotherapie durchgeführt, in Deutschland in der Regel anerkannt vom Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThR) oder einer vergleichbaren Institution. Ohne Grundausbildung in Physiotherapie und ohne diese fachspezifische Weiterbildung gibt es keine Hippotherapie im medizinischen Sinn.

Das eingesetzte Pferd ist ein speziell ausgebildetes Therapiepferd. Es lässt sich präzise im Schritt führen und bleibt auch in unruhigen Situationen ruhig. In der Hippotherapie wird es ausschließlich am Boden geführt, der Patient lenkt es nicht. Wer bisher dachte, Hippotherapie sei eine therapeutische Form des Reitens, kann diesen Gedanken loslassen. Sie ist Physiotherapie, bei der die Schwingungsbewegung eines schreitenden Pferdes das wichtigste Werkzeug ist.

Voraussetzung für eine Behandlung ist eine ärztliche Verordnung. Üblicherweise stellt der behandelnde Neurologe oder ein in MS spezialisiertes Zentrum diese Verordnung aus. Die Hippotherapeutin arbeitet auf Basis dieser Verordnung und stimmt das Behandlungskonzept mit dem ärztlichen Team ab.

Detail des Therapie-Setups: Wollpad und Therapiegurt auf dem Pferderuecken, Hand des Physiotherapeuten

Wie sie bei MS wirken kann

Auch hier formuliere ich vorsichtig, weil es bei MS keine Heilversprechen geben darf und weil jede Patientin und jeder Patient anders reagiert. Was im Folgenden beschrieben wird, sind Wirkmechanismen, die in der Fachliteratur diskutiert werden und die ich in Gesprächen mit Hippotherapeuten immer wieder höre.

Schwingungsübertragung auf Becken und Wirbelsäule

Der Pferdeschritt erzeugt pro Minute etwa 100 bis 120 rhythmische Bewegungsimpulse in drei Dimensionen: nach vorne und hinten, seitlich und auf und ab. Diese Impulse werden über den Pferderücken auf das Becken übertragen. Die Patientin muss ihre Wirbelsäule kontinuierlich neu ausrichten, ihren Rumpf stabilisieren, das Becken mitgehen lassen. Das ähnelt physiologisch dem Muster, das beim eigenen Gehen entsteht.

Vorübergehende Spastik-Reduktion

Spastik gehört zu den belastendsten Symptomen bei MS. Die rhythmische Schwingung des Pferdes kann während und unmittelbar nach der Sitzung den Muskeltonus senken. Hippotherapeuten beschreiben, dass sich die Beine in den Adduktoren weicher anfühlen und Bewegungen flüssiger möglich sind. Wichtig: Dieser Effekt ist vorübergehend, er hält nicht über Tage an, und er ersetzt keine Spastik-Therapie der Neurologie.

Rumpfkontrolle und Gleichgewicht

Im Gangbild von MS-Patienten zeigt sich oft eine Unsicherheit im Rumpf. Auf dem Pferd ist die Patientin gefordert, ihren Rumpf gegen die Schwingungen aktiv zu halten. Diese Anforderung ist nicht überfordernd, weil die Bewegung gleichmäßig kommt, aber sie ist konstant. Studien zur Hippotherapie bei MS haben Effekte auf Rumpfstabilität und statisches Gleichgewicht beschrieben, etwa erfasst über den Berg Balance Scale.

Propriozeptive Stimulation

Bei MS sind häufig Tiefensensibilität und Körperwahrnehmung gestört. Die vielfältigen Bewegungsreize liefern dem Nervensystem Information darüber, wo sich Becken, Rumpf und Beine befinden. Diese Stimulation ist am Boden in dieser Dichte schwer zu erzeugen.

Was Hippotherapie nicht tut

Sie verändert nicht den Verlauf der MS und ersetzt keine verlaufsmodifizierende Immuntherapie. Sie heilt nicht. Was sie kann, ist symptomorientiert arbeiten und körperliche Funktionen so unterstützen, dass im Alltag mehr möglich ist. Diese Unterscheidung ist für Ihre Erwartung wichtig.

Hippotherapie ist nicht mein eigenes Fachgebiet. Aber wenn ich sehe, wie aufgerichtet manche meiner Bekannten nach einer Sitzung das Pferd verlassen, verstehe ich, warum diese Disziplin eine eigene Berechtigung hat.

Für welche MS-Patienten geeignet

Hippotherapie wird bei verschiedenen Verlaufsformen eingesetzt, sowohl bei schubförmig remittierender als auch bei sekundär progredienter MS. Entscheidend ist nicht die Verlaufsform, sondern der individuelle körperliche Status. Häufig wird der EDSS-Wert herangezogen. Ein verbreiteter Erfahrungsbereich liegt zwischen EDSS 2 und 6,5. Patientinnen, die noch selbst gehen, profitieren ebenso wie solche mit Gehhilfen. Auch im Rollstuhl ist Hippotherapie unter Voraussetzungen möglich, hier kommen spezielle Aufstiegshilfen und Sicherungssysteme zum Einsatz.

EDSS-Erfahrungsbereich
  • EDSS 2 bis 4: Leichte bis mittelgradige Beeinträchtigung. Patientinnen gehen noch selbst, oft ohne Hilfsmittel. Hippotherapie zielt auf Rumpfstabilität, Gleichgewicht und Spastik-Vorbeugung.
  • EDSS 4 bis 6: Gehstrecke eingeschränkt, Gehhilfen kommen ins Spiel. Hippotherapie kann hier das Gangbild unterstützen und Sturzrisiko reduzieren.
  • EDSS 6 bis 6,5: Beidseitige Gehhilfen bis Rollstuhl auf längeren Strecken. Mit passender Aufstiegshilfe und Sicherung weiterhin möglich, oft sehr wirksam für Rumpfkontrolle.
  • Ab EDSS 7: Einzelfallabwägung. Hippotherapie ist seltener, aber unter Voraussetzungen denkbar, vor allem mit spezialisierten Einrichtungen.

Eine ärztliche Voruntersuchung ist immer Voraussetzung. Sie klärt, ob eine Verordnung sinnvoll ist und ob Kontraindikationen vorliegen. Zu den wichtigsten gehören:

Wichtige Kontraindikationen
  • Schwere Osteoporose. Die Schwingungen können in fortgeschrittenen Fällen zu hohen Belastungen für die Wirbelsäule führen. Eine Knochendichtemessung ist bei Risikoprofil sinnvoll.
  • Akuter Schub. Während eines akuten Schubes ist Hippotherapie zu unterbrechen.
  • Schwere, fixierte Spastik mit Kontrakturen. Wenn das Sitzen anatomisch nicht mehr möglich ist oder Schmerzen verursacht.
  • Allergien gegen Pferdehaare oder Heu. Ein Allergietest vor Beginn ist sinnvoll, gerade bei bekanntem Asthma oder ausgeprägtem Heuschnupfen.
  • Schwere kardiale Vorerkrankungen oder unkontrollierte Epilepsie. Hier braucht es eine Einzelfallabwägung mit dem behandelnden Arzt.
  • Körpergewicht über den Belastungsgrenzen des Therapiepferdes. Manche Praxen führen entsprechende Obergrenzen.

Die Entscheidung treffen Sie nicht allein. Sie wird gemeinsam mit Neurologin und Hippotherapeutin abgestimmt, idealerweise nach einem ersten Termin vor Ort.

Wie eine Sitzung abläuft

Ruhige Stallbox-Reihe mit Therapiepferd, das aus der offenen Stalltuer schaut

Eine Sitzung dauert in der Regel 30 Minuten reine Behandlungszeit auf dem Pferd. Mit Vorbereitung, Aufstieg und Übergabe sollten Sie insgesamt rund eine Stunde einplanen.

Erstgespräch und Befundaufnahme

Am Anfang steht die ärztliche Verordnung. Beim ersten Termin sichten Hippotherapeutin und Patientin gemeinsam Befunde, Vorgeschichte und persönliche Ziele. Eine kleine körperliche Untersuchung vor Ort prüft Sitzfähigkeit, Gleichgewicht und Tonus. Erst danach wird über das passende Pferd und die Aufstiegshilfe entschieden.

Aufstieg und Sicherung

Der Aufstieg erfolgt über eine Rampe oder eine spezielle Aufstiegshilfe, sodass die Patientin nicht klettern muss. Auf dem Pferd sitzt sie in normaler Sitzposition, manchmal mit Polstern, Therapiegurt oder Spezialsattel. Eine Begleitperson sichert seitlich, das Pferd wird am Strick von einer ausgebildeten Pferdeführerin geführt. Die Hippotherapeutin geht direkt am Patienten, gibt Anweisungen, korrigiert Sitz und Rumpfhaltung, leitet Übungen an.

Übungen im Schritt

Die Übungen selbst sind ruhig. Es geht nicht um sportliche Bewegung, sondern um bewusstes Sitzen, gezielte Aufrichtung, Wahrnehmung der eigenen Mitte. Manchmal arbeitet die Hippotherapeutin mit Halt-Phasen, in denen das Pferd kurz stehen bleibt, um eine Position zu festigen. Dann geht es im Schritt weiter, in der Geraden oder in Bögen. Niemand erwartet, dass Sie das Pferd lenken.

Frequenz und Behandlungsblock

Die Frequenz liegt häufig bei einer Sitzung pro Woche über mehrere Monate. Manche Praxen kombinieren Hippotherapie mit klassischer Physiotherapie am Boden. Die Konstellation hängt vom Konzept der Praxis ab.

Was Hippotherapie nicht ersetzt

Dieser Abschnitt ist mir wichtig, weil sich um Hippotherapie Erwartungen ranken, die sie nicht erfüllen kann. Gerade bei MS, in der Menschen verständlicherweise jeden Hoffnungsschimmer ergreifen, sollte klar sein, was Hippotherapie nicht ist.

Hippotherapie ersetzt NICHT
  • Sie ersetzt keine Immuntherapie. Die verlaufsmodifizierenden Medikamente sind die Grundlage der MS-Behandlung. Hippotherapie hat keinen Einfluss auf Immunsystem oder Entzündungsaktivität.
  • Sie ersetzt keine Physiotherapie am Boden. Krafttraining, Dehnung der Adduktoren, Beckenbodenarbeit oder gezielte Gangschulung lassen sich auf dem Pferd nicht in der nötigen Tiefe machen. Hippotherapie ergänzt die Physiotherapie, sie ersetzt sie nicht.
  • Sie ersetzt keine Ergotherapie und keine Logopädie. Wenn Feinmotorik, Schluckstörungen oder Sprechprobleme im Vordergrund stehen, bleiben diese Fachdisziplinen zentral.
  • Sie ersetzt keine Klinikbehandlung im Schub. Während eines Schubes gehören Sie in die Hand der Neurologie. Hippotherapie wird in dieser Phase pausiert.
  • Sie ist keine Psychotherapie. MS bringt häufig psychische Belastungen mit sich. Eine Reittherapie im engeren Sinn, psychotherapeutisch ausgerichtet, kann hier eine zusätzliche Option sein, ist aber etwas anderes als Hippotherapie.
Was tun bei einem akuten Schub
  • Hippotherapie sofort pausieren, keine Sitzung erzwingen.
  • Neurologin oder Neurologen kontaktieren, Schubtherapie abklären (oft Kortison-Stoßtherapie).
  • Erst wenn das behandelnde Team grünes Licht gibt, langsam wieder einsteigen, gegebenenfalls mit reduzierter Belastung.
  • Den Schub und die Pause der Hippotherapeutin offen mitteilen, damit das Behandlungsziel angepasst werden kann.

Abgrenzung: Hippotherapie vs Reittherapie vs Heilpädagogisches Reiten

Die drei Begriffe werden im Alltag oft durcheinandergeworfen. Sie sind in Deutschland fachlich klar unterscheidbar, auch wenn die Berufsbezeichnungen nicht alle geschützt sind. Im Glossar finden Sie eine ausführliche Erklärung, hier nur ein kurzer Überblick.

Hippotherapie

Hippotherapie ist Physiotherapie auf dem Pferd. Durchgeführt von Physiotherapeuten mit DKThR-Zusatzqualifikation, ärztlich verordnet, neurologische und orthopädische Indikationen wie MS, Schlaganfall, Querschnittlähmung, Zerebralparese. Das ist der medizinische Zweig.

Reittherapie im engeren Sinn

Reittherapie im engeren Sinn ist eine psychotherapeutisch orientierte Arbeit. Durchgeführt von Psychotherapeuten, Psychologen oder Sozialarbeitern mit Reittherapie-Weiterbildung. Zielgruppe sind Menschen mit psychischen Erkrankungen oder seelischen Belastungen. Das ist der Bereich, in dem ich selbst arbeite.

Heilpädagogisches Reiten

Heilpädagogisches Reiten ist eine pädagogische Förderung mit dem Pferd. Durchgeführt von Heilpädagogen, Erziehern oder Sozialpädagogen mit entsprechender Zusatzausbildung. Schwerpunkt sind Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten, häufig bei Kindern und Jugendlichen.

Für Erwachsene mit MS ist in den allermeisten Fällen die Hippotherapie die fachlich passende Disziplin. Wenn parallel eine ausgeprägte psychische Belastung vorliegt, kann eine Reittherapie als zusätzliches Angebot sinnvoll sein. Beides darf nebeneinander stehen, ersetzt sich aber nicht.

Wer zahlt das

Die kurze Antwort: die gesetzliche Krankenkasse leider nicht. Die längere Antwort gehört zu den unangenehmen Seiten dieses Themas, weil sie für viele Patientinnen eine finanzielle Hürde aufbaut, die sie nicht erwartet haben.

Das BSG-Urteil von 2003

2003 hat das Bundessozialgericht entschieden, dass Hippotherapie keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung ist (BSG-Urteil vom 30.09.2003). Begründet wurde das mit fehlenden Belegen nach den Kriterien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). In der Folge hat der G-BA die Hippotherapie ausdrücklich aus dem Leistungskatalog der GKV ausgeschlossen, und an dieser Rechtslage hat sich bis heute nichts grundlegend geändert.

Selbstzahler-Kosten

In der Praxis bedeutet das: Gesetzlich Versicherte zahlen die Hippotherapie selbst. Die Kosten liegen je nach Region zwischen 50 und 90 Euro pro Sitzung, manchmal etwas darüber.

Private Krankenversicherung und weitere Wege

Private Krankenversicherungen handhaben das unterschiedlich. Manche Tarife erstatten ganz oder anteilig, andere lehnen ab. Hier hilft ein Blick in den Tarif und gegebenenfalls eine Kostenanfrage vor Behandlungsbeginn. Wichtig ist die ärztliche Verordnung mit eindeutiger Indikation. Einzelne Beihilfestellen oder ein persönliches Budget nach SGB IX können in besonderen Fällen weitere Wege öffnen. Mehr dazu in unserem Erstattungs-Guide.

Therapiepferd wird im Schritt geführt, Patientin sitzt aufgerichtet mit Begleitperson seitlich

Wie finde ich einen Hippotherapeuten in meiner Nähe

In unserem Verzeichnis können Sie nach Disziplin Hippotherapie und Indikation Multiple Sklerose filtern. Sie sehen, welche Anbieter eine Zusatzqualifikation Hippotherapie nachweisen, ob sie ärztliche Verordnungen abrechnen, ob eine barrierefreie Aufstiegshilfe vorhanden ist und in welchem Umkreis sie arbeiten.

In den Anbieterprofilen sehen Sie häufig Hippotherapeuten mit Spezialisierung MS. Das ist nicht selbstverständlich: MS-Patientinnen brauchen eine andere Vorbereitung als Kinder mit Zerebralparese oder Patienten nach Schlaganfall. Ein Profil, in dem ausdrücklich MS-Erfahrung genannt wird, ist ein guter erster Filter.

Worauf Sie zusätzlich achten sollten: Wird die Behandlung von einer Physiotherapeutin mit DKThR- oder vergleichbarer Zusatzqualifikation durchgeführt? Gibt es eine ärztliche Anbindung? Wie ist die Aufstiegshilfe gestaltet? Wie weit ist die Anfahrt? Vereinbaren Sie zunächst einen Termin zur Erstvorstellung, ohne sich gleich auf eine Serie festzulegen. Ihr Bauchgefühl ist hier ein guter Berater.

Anbieter mit MS-Schwerpunkt finden

Im Verzeichnis sehen Sie auf einen Blick, welche Hippotherapeutinnen und Hippotherapeuten mit MS-Erfahrung arbeiten, ob eine barrierefreie Aufstiegshilfe vorhanden ist und in welchem Umkreis sie tätig sind.

Hippotherapeut*innen mit MS-Erfahrung finden

Häufige Fragen

Ab welchem EDSS-Wert ist Hippotherapie noch sinnvoll? Eine starre Grenze gibt es nicht. In der Praxis arbeiten Hippotherapeutinnen oft im Bereich EDSS 2 bis 6,5, also von leichter Beeinträchtigung bis hin zu Patienten mit Gehhilfen. Auch im Rollstuhl ist Hippotherapie unter Voraussetzungen möglich. Entscheidend ist die individuelle körperliche Konstitution, nicht allein die Zahl.

Brauche ich Reiterfahrung? Nein. Hippotherapie ist keine Reitstunde. Sie müssen das Pferd nicht lenken, nicht antraben, nicht balancieren wie eine Reiterin. Das Pferd wird geführt, Sie sitzen und nehmen die Bewegung auf. Auch Patientinnen, die nie zuvor mit Pferden zu tun hatten, profitieren.

Wie oft sollte ich kommen? Üblich ist eine Sitzung pro Woche über mehrere Monate. Manche Praxen empfehlen Behandlungsblöcke von zehn bis zwölf Sitzungen, danach eine Standortbestimmung. Seltener als alle vierzehn Tage zeigt erfahrungsgemäß keinen tragenden Effekt.

Was, wenn ich gegen Pferdehaare allergisch bin? Lassen Sie das vorab abklären. Eine bekannte Pferdeallergie ist eine Kontraindikation, eine leichte Reaktion lässt sich manchmal mit Medikation oder Schutzkleidung in den Griff bekommen. Das entscheidet Ihr Arzt, nicht die Hippotherapeutin.

Übernimmt meine private Krankenversicherung die Kosten? Das hängt vom Tarif ab. Manche PKV-Tarife erstatten Hippotherapie bei ärztlicher Verordnung ganz oder anteilig, andere lehnen ab. Klären Sie das vor Behandlungsbeginn schriftlich mit Ihrer Versicherung. Eine genaue Verordnung mit Indikation MS hilft.

Was mache ich während eines akuten Schubes? Während eines akuten Schubes wird Hippotherapie pausiert. Wenden Sie sich an Ihre Neurologin, klären Sie die Schubtherapie, und nehmen Sie die Hippotherapie wieder auf, wenn Ihr behandelndes Team grünes Licht gibt. Das ist medizinisch der richtige Weg.

Wie viele Stunden brauche ich, bis ich einen Effekt spüre? Viele Patientinnen berichten unmittelbar nach der ersten oder zweiten Sitzung ein verändertes Körpergefühl. Stabilere Effekte auf Rumpfkontrolle, Gleichgewicht oder Spastik werden in Studien meist nach einer Behandlungsserie von acht bis zwölf Sitzungen beschrieben. Eine ehrliche Standortbestimmung gehört nach einem solchen Block dazu.

Was ich Ihnen mitgeben möchte

MS verlangt von den Menschen, die mit ihr leben, eine fortlaufende Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper. Das ist anstrengend, und es ist verständlich, wenn Sie nach Wegen suchen, die nicht nur aus Medikamenten und Geräten bestehen. Hippotherapie ist ein solcher Weg, mit klaren Grenzen, mit ehrlich beschriebenen Effekten und mit einem Tier, das ohne Worte spürt, wie es Ihnen heute geht.

Was ich Ihnen nicht versprechen kann, weil es niemand kann, ist eine Wendung des Krankheitsverlaufs. Was Ihnen Hippotherapeutinnen und Hippotherapeuten anbieten, ist eine konkrete körperliche Arbeit an Symptomen, die im Alltag Raum einnehmen. Wenn das für Sie nach einem stimmigen Baustein klingt, sprechen Sie mit Ihrer Neurologin, lassen Sie sich eine Verordnung erklären, und schauen Sie sich vor Ort ein Angebot an. Mehr als das ist im ersten Schritt nicht nötig.


Weiterführend


Hinweis

Dieser Artikel ist eine fachliche Orientierungshilfe und ersetzt keine ärztliche oder neurologische Beratung. Hippotherapie ersetzt keine medizinische Behandlung der MS, insbesondere keine verlaufsmodifizierende Immuntherapie. Bei medizinischen Fragen wenden Sie sich an Ihre Neurologin oder Ihren Neurologen.

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Erfahrene Hippotherapeutinnen und Hippotherapeuten mit MS-Schwerpunkt gibt es in vielen Regionen. Suchen Sie nach Ort und Umkreis.

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